Vertretungskonzept


Grundsätze zum Vertretungsunterricht an der Städt. Realschule Golzheim, Düsseldorf


Vertretungsunterricht geht alle an: Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Eltern.

Fast täglich muss Unterricht vertreten werden. Das hat verschiedene Gründe: Erkrankung und Fortbildung von Lehrkräften, Klassenfahrten, Exkursionen, Projekttage, Praktikumsbegleitung, Prüfungen.

Für Lehrkräfte bedeutet dies, dass sie oft neben ihrem vollen und anstrengenden Unterrichtspensum noch weitere Stunden vertreten müssen, manchmal in Lerngruppen, die sie nicht kennen.

Für Schülerinnen und Schüler bedeutet dies auch eine Herausforderung, weil sie sich auf die neue Situation einstellen müssen und manchmal das Gefühl haben, Vertretungsunterricht sei kein richtiger Unterricht.

Eltern erfahren nicht immer vom Vertretungsunterricht und wundern sich, warum ihr Kind eine Stunde früher aus der Schule kommt. 

 

Dieses Konzept ist zunächst als Vorschlag zu verstehen. Es wird im kommenden Halbjahr erprobt und dann von den Fachkonferenzen und der Lehrerkonferenz überarbeitet, ergänzt und abgestimmt.

1.  Rechtliche Rahmenbedingungen

Wenn der stundenplanmäßige Unterricht wegen Abwesenheit der zu Unterrichtenden nicht erteilt werden kann (z.B. Abgangsklassen, Schulfahrten, Berufspraktika, Projekte, …) oder durch Abschlussprüfungen vorzeitig endet, sollen die nicht erteilten Unterrichtsstunden insbesondere für Vertretungszwecke verwendet werden (vgl. ADO, § 11 Abs. 4).

 

Zur Organisation des Vertretungsunterrichts kann die Zahl der wöchentlichen Pflichtstunden einer Lehrkraft um bis zu 6 Unterrichtsstunden über- oder unterschritten werden (vgl. ADO, § 11 Abs. 2). Eine Überschreitung von mehr als zwei Stunden bedarf der Zustimmung der Lehrkraft, wenn sie über zwei Wochen hinaus andauert. Die zusätzlich oder weniger erteilten Unterrichtsstunden sind innerhalb des Schuljahres, ausnahmsweise im folgenden Schuljahr, auszugleichen (vgl. VO zu § SchFG, § 3 Abs. 4 - BASS 11-11 Nr. 1).

 

Wenn zwingende dienstliche Verhältnisse (z.B. Fachlehrkraftmangel) es erfordern, können Lehrkräfte verpflichtet werden, über ihre Pflichtstunden hinaus Unterricht als Mehrarbeit zu erteilen. Dabei sind die allgemeinen Regelungen über die Mehrarbeit und die von der Lehrerkonferenz aufgestellten Grundsätze zu beachten (vgl. RdErl. v. 11.6.1979 - BASS 21-22 Nr. 21). Besondere dienstliche Belastungen und persönliche Verhältnisse der Betroffenen sollen berücksichtigt werden.

 

Für kurzfristige Unterrichtsausfälle aus Krankheitsgründen bis zu zwei Wochen wird sog. adhoc-Mehrarbeit angeordnet, für deren Genehmigung bzw. Anordnung die Schulleiterin oder der Schulleiter zuständig ist. Ad-hoc-Mehrarbeitsstunden müssen abgerechnet werden oder können, wenn möglich, in Freizeit ausgeglichen werden(vgl. BASS 21-22 Nr. 21)

 

Bei der Anordnung von Mehrarbeit sind die Fürsorgepflicht für die Bediensteten und auch die besondere Situation von Teilzeitkräften zu berücksichtigen (ADO §15; Runderlass vom 13. 06. 1990)

 

Bei schwerbehinderten Lehrkräften mit zusätzlicher Pflichtstundenermäßigung ist von Anordnung/Genehmigung von Mehrarbeit ganz abzusehen. (BASS 21-06 Nr. 1)

 

Lehramtsanwärtern darf nur mit deren Zustimmung über die Ausbildung hinausgehender Unterricht im Umfang von bis zu zwei Wochenstunden übertragen werden. §11 (8) OVP

 

                                                                                                                                     

2.  Ziele / Grundsätze

Das Ziel dieses Vertretungskonzepts besteht darin, den Unterrichtsausfall so gering wie möglich zu halten sowie Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Eindeutigkeit, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit für alle Beteiligten zu schaffen.

 

Die inhaltlichen Ziele des Vertretungsunterrichts lassen sich in folgende fünf Prioritätsstufen einteilen:

1.    Fortsetzung  der aktuellen  Unterrichtsreihe  des zu vertretenden Faches

2.    Festigung des aktuell  behandelten Stoffes durch schriftliche und mündliche Übungen

3.    Wiederholungsübungen zu Lehrinhalten aus bereits behandelten  Unterrichtsthemen 

4.    Fachunterricht der vertretenden Lehrkraft,  falls sie ebenfalls in der Klasse unterrichtet

5.    Behandlung von fächerübergreifenden Themen aus den schulischen Aufgabenfeldern zur Erziehung, z. B. Mobilitätserziehung, Gesundheitslehre, Antigewalttraining, Etikette, …; oder Klassengespräche zu den Themenfeldern: Konfliktlösungen, Mobbing, Verbesserung der Klassengemeinschaft, Planung und Vorbereitung von Klassenfahrten, Klassenfesten,…

 

Um die oben genannten Ziele erreichen zu können gibt es verschiedene Möglichkeiten. Diese Grundsätze des Vertretungskonzepts werden im Folgenden näher beschrieben.

 

Vertretungsunterricht ist kein Unterricht, in dem Hausaufgaben angefertigt werden sollen, Filme gezeigt werden, die nichts mit dem Thema zu tun haben und in dem sich die Schülerinnen und Schüler ohne Sinn und Aufgabe im Unterricht selbst beschäftigen.

Sinnvoller Vertretungsunterricht bedeutet für uns, dass der Unterricht dem geplanten Unterricht im Stundenplan möglichst entspricht, dass der Unterricht möglichst im gleichen Fach unterrichtet werden kann, als auch dass die Schülerinnen und Schüler und die zu vertretende Lehrkraft sich kennen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass in dem jeweiligen Fach zusätzliche Übungen und Wiederholungen durchgeführt werden. Es können wichtige Themen aus den Bereichen Medienkompetenz, Drogenprävention, Verkehrserziehung, Methodenkompetenz in der Vertretungsstunde thematisiert werden. Außerdem können der Klassenlehrer/die Klassenlehrerin und deren Vertreter/-in sinnvolle Klassengespräche führen, für die sonst zu wenig Zeit bleibt. 

 

Mit diesem Vertretungskonzept möchten wir…

·         die Qualität und Quantität unseres Unterrichtes erhalten und dafür sorgen, dass so wenig wie möglich Unterricht ausfällt.

·         Zur Minimierung der Vertretungssituationen können folgende Maßnahmen getroffen werden:

-         Am Ende eines jeden Schuljahres wird eine vorausschauende schulorganisatorische Jahresplanung für das kommende Schuljahr erstellt. Außerunterrichtliche Veranstaltungen (Klassenfahrten, Projekttage, Wandertage) verschiedener Klassen sollen, wenn möglich, zur selben Zeit stattfinden.

-         Kleine Gruppen können bei Unterrichtsausfall zusammengelegt oder auf andere Gruppen verteilt werden. Am Anfang jeden Schuljahres beraten die Lehrkräfte aller Jahrgangsstufen und WP-Kurse über Aufteilungsmöglichkeiten (1. LK).

-         Durch Planung der Fortbildungen kann eine rechtzeitige Terminabstimmung erfolgen.

-         Fortbildungen oder sonstige Veranstaltung dürfen nur genehmigt werden, wenn der Vertretungsunterricht gesichert ist.

-         Durch frühzeitige Planung von Vertretungssituationen können Lernsituationen geschaffen werden, in denen die Lerngruppen je nach Voraussetzung selbstständig Unterrichtsstoff erarbeiten bzw. durch andere Lehrkräfte mitbetreut werden

Es stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung, die Ziele und Grundsätze dieses Vertretungskonzepts zu erfüllen:

 

·         Nutzung der Vertretungsreserve

·         Ad-Hoc-Mehrarbeit bis zu 2 Wochen

·         Flexibilisierung der Pflichtstunden

·         längerfristige Mehrarbeit ab 3 Wochen

·         Stundenüberhänge wegen Abwesenheit der zu Unterrichtenden bzw. außer-unterrichtlicher Veranstaltungen

·         Einsatz von flexiblen Vertretungsmitteln

·         Dauervertretung ab der dritten Krankheitswoche in den Hauptfächern (ggf. mit Änderung der UV und Stundenplanänderungen) bei entsprechender Prognose des Krankheitsverlaufes

3.  Verfahren / Maßnahmen

3.1 kurzfristiger Ausfall

Bei kurzfristigem Ausfall einer Lehrkraft werden die Kollegen unter Berücksichtigung der Sozialverträglichkeit für die Vertretungsstunden nach der folgenden Reihenfolge ausgesucht:

1.    Es wird ein Kollege eingesetzt, dessen Unterricht in dieser Stunde durch Abwesenheit der Lerngruppe ausfällt.

2.    In den Klassen 5-8 wird vorrangig  ein Kollege eingesetzt, der ebenfalls in der Klasse unterrichtet und die Schüler kennt.

3.    In den Klassen 9 und 10 wird vorrangig ein Kollege eingesetzt, der das Fach unterrichtet, und zwar, wenn möglich, in der Parallelklasse.  

4.    Es wird eine beliebig ausgebildete Lehrkraft eingesetzt.

Steht kein Kollege zur Verfügung, können die Klassen 9 und  10  in Ausnahmefällen eigenverantwortlich  arbeiten. (Ein Kollege wird benannt, der die Aufgaben verantwortlich erteilt). Selbstständiges und eigenverantwortliches Lernen sind die Ziele, die derzeit in Schulprogrammen, Veröffentlichungen und pädagogischen Konzepten erste Priorität haben.

Die Klassen 5 bis 8 sollten grundsätzlich nicht 67,5 Minuten ohne Aufsicht sein, da sonst die verantwortliche Lehrkraft weder ihren regulären, noch den zu vertretenden Unterricht zufriedenstellend abhalten kann. Eine Möglichkeit kann im Bedarfsfalle sein, dass die Klassen in Kleingruppen aufgeteilt und mit betreut werden. Eventuell können Klassen mit Aufgaben zu Studientagen entlassen werden. 


3.2 langfristiger Ausfall

Für die Vertretung in den Hauptfächern wird ab der dritten Woche eine vorläufige Planänderung geplant, d. h. dass dann die ausfallenden Fächer möglichst im vollen Umfang vertreten werden.

Auch für die Nebenfächer wird eine Dauervertretung ab der dritten Woche eingerichtet, wenn in der Klasse wegen wiederholter Erkrankungen Unterricht ausgefallen ist.

Diese Planänderung kann unter Umständen eine Erhöhung der wöchentlichen Pflichtstundenzahl bedeuten (vgl. Ausführungen zum Schulfinanzgesetz).

Die zu viel erteilten Stunden können bei einer Dauer von mehr als zwei Wochen dann abgerechnet oder längerfristig ausgeglichen werden.

Die Eltern werden bei einem langfristigen Ausfall einer Lehrkraft durch die Schulleitung informiert.

 

3.3 organisatorische Regelungen

Der Vertretungsplan für den nächsten Tag wird, wenn möglich, für Lehrkräfte und Schüler sichtbar bis zur 1. Pause um 10.20 Uhr ausgehängt.

Korrekturen durch Ad-Hoc-Vertretungen erfolgen morgens bis 7.45 Uhr und sind farbig markiert. Sollten sich vor oder nach der Pause kurzfristige Änderungen ergeben, wird die Lehrkraft informiert, damit kein  Vertretungsunterricht übersehen wird.

Alle Kolleginnen und Kollegen nehmen mehrmals am Tag Kenntnis vom Stand der Vertretungsplanung.

 

Bei vorhersehbaren Vertretungen (Fortbildung, Klassenfahrten oder sonstigen Beurlaubungen) stellt die zu vertretende Lehrkraft Planungsunterlagen/Material für den Unterricht zur Verfügung, auf die die Vertretungslehrkräfte zurückgreifen können und bei denen selbstständiges Arbeiten der Klasse (je nach Voraussetzungen) angeordnet werden kann.

 

In ganz seltenen Fällen bleibt eine Klasse, bei der sehr viel Vertretungsunterricht geleistet werden muss, zu Hause. Die Schülerinnen und Schüler erhalten für diesen Studientag Aufgaben.

 

Für Lehrkräfte gilt besonders: 

·         Die Lehrkräfte informieren sich am Vortag mithilfe des Vertretungsplanes über mögliche Vertretungsstunden am nächsten Tag.

·         Erkrankte Lehrkräfte melden sich morgens bis spätestens 7.30 Uhr telefonisch in der Schule krank.

  • Sollte es den erkrankten Lehrkräften möglich sein, senden sie Unterrichtsmaterial per Fax oder Email an die Schule. Dies soll der Entlastung der Vertretungslehrkraft dienen. 

·         Bei vorhersehbaren Vertretungen (Fortbildung, Klassenfahrten oder sonstigen Beurlaubungen) stellt die zu vertretende Lehrkraft Planungsunterlagen/Material für den Unterricht zur Verfügung, auf die die Vertretungslehrkräfte zurückgreifen können oder die Klassen selbstständig arbeiten können.

Für Schülerinnen und Schüler gilt besonders: 

  • Vertretungsunterricht ist verbindlicher Unterricht.
  • Die Klassensprecher und deren Vertreter sind dafür zuständig, dass die gesamte Klasse die Informationen vom Vertretungsplan für den anstehenden und nächsten Tag erhält. Dazu müssen die Klassensprecher und Vertreter vor dem Unterricht und in den großen Pausen auf den Vertretungsplan schauen. Bei Fragen wenden sie sich an die Klassenleitung oder das Sekretariat.
  • Das Material für den Vertretungsunterricht muss immer vorhanden sein.
  • Sollte in der Vertretungsstunde keine Lehrkraft in den Klassenraum kommen, informiert der Klassensprecher oder der Vertreter unverzüglich das Sekretariat.

4.  Inhaltliche Regelungen

Der Unterricht in einem bestimmten Fach soll, wenn möglich, nach den Vorgaben der ausfallenden Lehrkraft weitergeführt werden.

 

Für die Ad-Hoc-Vertretung steht Material in der Lehrerbibliothek zur Verfügung. Die Ordner und Materialien werden fächerweise angeordnet. Für jedes Fach wird ein Ordner angelegt, in dem für alle Klassenstufen Material (Arbeitsblätter mit Lösungen und Hinweisen zu anderen Medien wie Folien, DvD´s etc.) vorhanden ist. Es werden zusätzlich Listen bereitgestellt, aus denen ersichtlich ist, was die jeweilige Klasse bisher bearbeitet hat und woran man weiterarbeiten kann. Ebenfalls werden Klassenlisten in einem separaten Ordner abgeheftet, sodass jede vertretende Lehrkraft einen Überblick über die Klassenstärke der jeweiligen Klasse erhält.

 

In den Vertretungsstunden bearbeiten die Schüler selbstständig die Aufgaben und kontrollieren ihre Ergebnisse mit den bereitgestellten Lösungen.

 

5.  Qualitätssicherung des Vertretungsunterrichts

  • Damit der Fachunterricht fortgeführt wird, nimmt die zu vertretende Lehrkraft anhand der Einträge im Lehrerheft/Klassenbuch oder durch Austausch mit der (einer) Fachlehrkraft Kenntnis vom bisher behandelten Lerngegenstand.

 

  • Für den Vertretungsunterricht stehen für alle Fächer Materialienordner bzw. Bücher mit Kopiervorlagen (auch Selbstlernstunden) zur Verfügung. Diese beinhalten Übungsaufgaben/Übungsmaterial mit Lösungen.

 

  • Erledigte Aufgaben werden in der Liste im jeweiligen Ordner neben dem Kopierer eingetragen und abgezeichnet (Klasse, Datum, Lehrerkürzel).

 

  • Die Fachkonferenzen sind gehalten, die Vertretungsordner zu aktualisieren und zu erweitern.

 

  • Aufgaben, die im Vertretungsunterricht von den Schülerinnen und Schülern bearbeitet werden, müssen kontrolliert werden.

 

Evaluation

  • Vertretungen werden statistisch erfasst und in regelmäßigen Abständen ausgewertet.

 

  • Der Konrektor als Person, der für die Erstellung der Vertretungspläne verantwortlich ist, steht in kontinuierlichem Austausch mit den Lehrkräften. Er ist Hinweisen und Verbesserungsvorschlägen gegenüber aufgeschlossen und ist bereit, seine Entscheidungen bei Bedarf zu erläutern.

 

  • Anregungen zum Vertretungskonzept seitens des Kollegiums werden angehört und ggf. diskutiert und in das Vertretungskonzept der Realschule Golzheim übernommen.

 

 

 

 Stand: 2013