Gemeinsames Lernen


Konzept zur inklusiven Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit diagnostiziertem Förderbedarf im gemeinsamen Unterricht an der Realschule Golzheim, Tersteegenstr. 62, 40474 Düsseldorf (Auszüge)


Wir ermöglichen gemeinsames Lernen für Schülerinnen und Schüler an unserer Schule. Die Aufnahme von Schülerinnen und Schülern mit erheblichen Lernschwierigkeiten und die damit verbundene individuelle Förderung, wie sie 2006 in die Präambel des Schulgesetzes von Nordrhein-Westfalen aufgenommen wurde, ist ein Baustein im Rahmen unseres Prozesses der inklusiven Schulentwicklung. Wir versuchen einen Beitrag zu leisten, dass  Menschen mit und ohne geistige oder körperliche Beeinträchtigung in unserer Schule friedlich und freundschaftlich zusammen leben, zusammen lernen und dabei ein reiches Schulleben miteinander erleben und gestalten.


Ausgehend vom Leitbild der Realschule Golzheim, das Toleranz und Menschlichkeit in den Mittelpunkt des täglichen Umgangs miteinander stellt, wird an unserer Schule die Verschiedenheit aller SchülerInnen anerkannt und als Bereicherung empfunden. Es wird eine Kultur des respektvollen Miteinanders und nicht eine Kultur des Ausgrenzens gelebt. Vielfältige Bestandteile des Schulprofils spiegeln diese Grundhaltung wider.

Das umfangreiche Förderprogramm der Realschule Golzheim zum Beispiel trägt dazu bei, die SchülerInnen in ihrem Bildungsprozess so zu unterstützen, dass sie möglichst viele Erfolgserlebnisse erfahren. Dazu gehören die Ergänzungsstunden in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik, das Konzept „Lernen lernen“ und „Gut Arbeiten“.


Auch um den SchülerInnen den Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule möglichst leicht zu machen, gibt es ein vielfältiges Angebot vom Schnuppertag vor den Sommerferien über die Kennenlernwoche und das Klassenpatenkonzept bis zu zahlreichen Aktivitäten im 5. Schuljahr zur Teamfindung und Orientierung in der Schule und dem schulischen Umfeld. Dazu dient insbesondere auch das Konzept des „sanften Übergangs“ in der ersten Schulwoche. Durch die Unterrichtsstunde „Lernen lernen“ im 5. und 6. Schuljahr wird die Lernkompetenz der Schüler und Schülerinnen gestärkt.

Aber auch die Stärkung der Sozialkompetenz ist für eine gelingende soziale Integration aller SchülerInnen unabdingbar.

Die Vereinbarung klarer und einheitlicher Regeln des Miteinanders und die Bewusstmachung der Konsequenzen bei Missachtung ( Projekt „Gute Arbeiten“) fördern die Schüler und Schülerinnen in ihrem sozialen Verhalten. Unterstützt wird dieser Ansatz durch das Streit- schlichtermodell.

Für eine Realschule, deren Aufgabe es ist, SchülerInnen für berufliche Bildungsgänge zu qualifizieren, spielt die Berufsorientierung eine wichtige Rolle. Das umfangreiche Konzept der Berufswahlvorbereitung an der Realschule Golzheim muss vor dem Hintergrund der Förderung der Chancen von Kindern mit einem Unterstützungsbedarf im Bereich Lernen in den kommenden Jahren entsprechend weiterentwickelt werden. Dazu ist eine Zusammenarbeit mit den noch existierenden Förderschulen angedacht. Außerdem bietet das Schulamt Düsseldorf entsprechende Unterstützung an. Eine diesbezügliche Kooperation ist auch in Planung.


Lerngruppen


Die Integrativen Lerngruppen an der Realschule haben derzeit neben den Unterrichtsräumen ihrer Klassen zusätzlich freie Klassenräume, die in einem Plan gekennzeichnet sind und somit für den differenzierten Unterricht zur Verfügung stehen. Am „Kennenlern – Nachmittag“ der neuen Fünfer-Klassen (kurz vor den Sommerferien) besuchen die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit ihren Eltern die

Schule und lernen ihre zukünftigen Klassenräume sowie Lehrer(innen) kennen. Zusätzlich findet ein Besuch der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit ihren Grundschulehrerinnen/-lehrern am Schulvormittag an der Realschule statt.

 

Die Klassen des gemeinsamen Lernens nehmen am Lehrerraumprinzip und dem 67,5 Minutenstunden der Schule teil. Durch die dadurch schon niedrige Anzahl der Lehrkräfte pro Klasse und die niedrigere Anzahl der Wochenstunden wird erwartet, dass dies für die SchülerInnen leistbar ist.

 

Unterricht

 

Im Unterricht wird zieldifferent gearbeitet. Differenziert wird in Bezug auf Lernumfang, Zeit, Lernziele, personale Hilfe und Medieneinsatz.

Unterrichtsmethoden und pädagogische Grundsätze, die die integrative Arbeit im Gemeinsamen Unterricht an der Realschule ermöglichen, werden in den regelmäßigen Teamsitzungen des sonderpädagogischen Teams kontinuierlich reflektiert und in kooperativer Zusammenarbeit mit den Realschullehrern ausgetauscht und thematisiert.

Sie stellen sich wie folgt dar:

- offene Unterrichtsformen

- schülerorientierte und handlungsorientierte Unterrichtsangebote

- Aufsuchen außerschulischer Lernorte (Tonhalle, Zoo, Neanderthal-Museum, Kunstmuseum)

- Herstellen und Nutzen individueller Lern- und Anschauungsmaterialien

- fächerübergreifende Unterrichtsangebote

- projektorientierte Unterrichtsangebote

- gemeinsame Spielangebote

- Kooperation mit außerschulischen Lernorten

 

Die RegelschülerInnen der integrativen Lerngruppe erhalten die Unterrichtsmaterialien der Realschule. Für die SchülerInnen mit dem Förderschwerpunkt Lernen und geistige Entwicklung wird zusätzliches Fördermaterial, Hilfsmittel und Differenzierungsmaterial bereitgestellt. Dennoch wird auch ihnen das gleiche Material wie den Realschülern zur Verfügung gestellt, da häufig eine Beschäftigung mit diesem unmöglich ist. Es ist geplant, eine Förderbibliothek einzurichten, in der alle LehrerInnen Zugang zu Fördermaterialien, Hilfsmitteln und Differenzierungsmaterial erhalten. Zum jetzigen Zeitpunkt wird das zusätzliche Material von der Förderlehrkraft zur Verfügung gestellt.


Die Stundentafel der inklusiven Klasse richtet sich nach den Richtlinien für Realschulen. Grundsätzliches Ziel ist es, dass alle Kinder am gleichen Unterrichtsgegenstand binnen- differenziert, d.h. entsprechend ihrem individuellen Lerntempo und Lernfortschritt arbeiten. Dabei soll der Unterricht entsprechend dem Inklusionsgedanken so häufig wie möglich gemeinsam im Klassenverband stattfinden. Um einen gemeinsamen Unterricht zu gewährleisten, sollen offene Unterrichtsmethoden wie z. B. Wochenpläne, Lernen an Stationen und projektorientiertes Lernen möglichst oft umgesetzt werden. So ist es möglich, den individuellen Lernvoraussetzungen aller Schüler (auch denen der Realschule) gerecht zu werden.

Bei dieser Form der Unterrichtsorganisation arbeiten alle SchülerInnen am gleichen Unterrichtsthema. Differenziert wird innerhalb der Lerngruppe nach den unterschiedlichen Leistungsniveaus der SchülerInnen.


Das Lehrerteam begleitet den Lernprozess der SchülerInnen durch:

- Beobachtung und Diagnostizierung

- Aufbereitung von Arbeitsaufträgen (Differenzieren und Bereitstellen von Hilfsmitteln)

- Sozialtraining zur Steigerung der Aufmerksamkeit und Mitarbeit am Unterricht

- Hilfe und Unterstützung bei Fragen und Problemen

- Lernerfolgskontrollen

- Förderung der Selbstständigkeit


Leistungsbewertung


Die Leistungen der SchülerInnen im Bildungsgang Lernen werden ohne Notenstufen auf der Grundlage der in den individuellen Förderpläne festgelegten Lernziele beschrieben. Diese Leistungsbewertung erstreckt sich auf die Ergebnisse des Lernens sowie die individuellen Anstrengungen und Lernfortschritte (individuelle Leistungsbewertung).


Für die SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden individuelle Förderpläne geschrieben (AO-SF §19,6). Pro Schuljahr sollten mindestens zwei Förderpläne geschrieben werden.


Die Schulkonferenz kann beschließen, dass ab Klasse 5 bei SchülerInnen, die im Bildungsgang Lernen unterrichtet werden, einzelne Unterrichtsfächer zusätzlich mit einer Note bewertet werden. Die Vorrausetzung für eine Bewertung mit Noten ist, dass die Leistungen den Anforderungen der jeweils vorhergehenden Jahrgangsstufe der Grund- oder Hauptschule entsprechen. Dieser Maßstab ist auf dem Zeugnis kenntlich zu machen (AO-SF §27,2).


Zeugnisse


Die Zeugnisse der SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf erhalten die Angabe des Förderschwerpunktes sowie des Bildungsgangs, in welchem die Schülerin und der Schüler unterrichtet werden. Die Zeugnisse im Bildungsgang Lernen beschreiben die Lernentwicklung und den Leistungsstand in den einzelnen Unterrichtsfächern.


Abschlüsse


Die Klasse 10 führt zum Abschluss des Bildungsgangs im Förderschwerpunkt Lernen. Die SchülerInnen und Schüler erhalten ein beschreibendes Abschlusszeugnis. Noten sind zusätzlich möglich, wenn diese den Anforderungen entsprechen (siehe Leistungsbewertung). In einem besonderen Bildungsgang führt die Klasse 10 zu einem Hauptschulabschluss (nach Klasse 9) gleichwertigen Abschluss (HSA-9). Die Leistungen der SchülerInnen und Schüler, die diesen Abschluss anstreben, werden in allen Unterrichtsfächern zusätzlich mit einer Note bewertet. Der HSA-9 kann jedoch nur erwerben, wer in den Klassen 9 und 10 am Unterricht im Fach Englisch teilgenommen hat.


Schulgemeinschaft

 

Die Integrativen Lerngruppen sind mittlerweile fester Bestandteil der Städt. Realschule Golzheim und die Integration von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist innerhalb des Schulprogramms fest verankert. Im Schulalltag der Realschule gibt es neben dem gemeinsamen Unterricht vielfältige Möglichkeiten der gegenseitigen  Wahrnehmung und Begegnung für alle Schülerinnen und Schüler:

- durch gemeinsame Pausen auf dem Schulhof

- durch gemeinsame Schul- und Sportfeste

- durch Projekttage, Feste und Feiern

- durch die Nutzung gemeinsamer Unterrichtsräume

- durch die Schaffung eines möglichst offenen Klassenraumes

- durch gemeinsame Ausflüge und Klassenfahrten

- gemeinsame Durchführungen berufsvorbereitender Erkundungen

- durch die Gestaltung und Durchführung der gemeinsamen Mittagspause und zusätzlicher Angebote im Nachmittagsunterricht

 

Der Gemeinsame Unterricht findet grundsätzlich in Zusammenarbeit und Kooperation von Realschullehrern und Sonderpädagogen statt. Dabei wird im kollegialen Austausch versucht, alle Möglichkeiten des gemeinsamen Lernens und Lebens zu suchen und kritisch zu reflektieren. Die RealschullehrerInnen sind dabei für die Einhaltung der Richtlinien und Lehrpläne ihrer Schulform verantwortlich. Die Sonderpädagoginnen und

Sonderpädagogen sollen dementsprechend die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf gewährleisten. Es besteht zudem die Möglichkeit, dass einzelne Schüler bzw. Kleingruppen in Absprache mit den Lehrkräften der

Realschule auch ohne sonderpädagogische Begleitung am Gemeinsamen Unterricht der Gesamtklassen bzw. an Arbeitsgemeinschaften der Realschule teilnehmen.


Inklusion im Schulunterricht ist mehr als eine gelungene Integration von Kindern mit einem besonderen Förderbedarf. Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Inklusion in der Bildung ist nur ein Bestandteil einer inklusiven Gesellschaft. Die Veränderung einer Schule hin zu einer inklusiven Schule geht von dem Grundverständnis aus, dass Schulen einen wesentlichen Beitrag zu gesellschaftlichen Entwick lungen leisten. Hier werden Werte vermittelt und Einstellungen gelebt.


Die Realschule Golzheim hat sich auf den Weg gemacht, eine inklusive Schule zu werden, und sich dieser gesamtgesellschaftlichen Herausforderung zu stellen.Für die Realschule Golzheim bedeutet dieser Weg die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema Inklusion. Er sensibilisiert uns für die Verschiedenartigkeit aller an unserem Schulleben Beteiligten und den damit verbundenen Konsequenzen für die Gestaltung des Lernortes Schule.


In diesen Prozess ist die gesamte Schulgemeinde eingebunden.


Stand: Mai 2015